Reintalerhof

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Der Reintaler Hof

Der Reintalerhof

Abschnitt 1

Von den ersten Quellen bis 1910

Letzte Aktualisierung: 24. 10. 2025

 

Die Einöde Reintal wird vermutlich schon vor 1640 bestanden haben. Sie gehörte ursprünglich zum Gericht Mittenwald.
Um 1720 war Blasius Seitz der Besitzer des Anwesens, nach ihm sein Sohn Vitus Seitz.

1743 kam das Anwesen zum Kloster St. Anton über Partenkirchen. Vermutlich um diese Zeit erhielt der Reintaler Hof, also der damalige Reintalbauer sein späteres Aussehen.

Das Wappen der Familie Pfeiffer, die Besitzer des Reintal Bauernhofs um 1800

Von ca. 1740 bis 1760 war Gabriel Karg der Eigentümer, danach Johann Pfeiffer.

Ab ca. 1816 bis ca. 1840 gehörte der Hof seinem Sohn Johann Georg Pfeiffer.

 

Links das Wappen der Familie Pfeiffer aus dem Jahre 1741.

Im Churbaierischen Regierungsblatt Nr. 18 vom 4. Mai 1803 findet sich in einer Anzeige des churfürstlichen Landgerichts Wertenfels folgender Eintrag aus dem Kirchenbuch der Pfarrei Partenkirchen:

1802 Gestorbene: Einöde Reinthal, 1 männlicher Erwachsener

Im Zusammenhang mit der Erstbesteigung der Zugspitze am 27.08.1820 durch Josef Naus, taucht auch der Reintaler Hof auf. Denn der Offizier Naus wurde von seinem Messgehilfen Maier und dem einheimischen Bergführer Johann Georg Deuschl begleitet. Dieser war Knecht im Reintaler Hof. Josef Naus wollte auf ihn nicht verzichten, da er bereits am 21. Juli bei seinem ersten Versuch der Zugspitz-Eroberung ohne Bergführer scheiterte.
1823 wurde die Zugspitze dann zum zweiten Mal bestiegen, und zwar durch den Maurermeister Simon Resch von Partenkirchen in Begleitung des sogenannten "Schaf-Toni" von Telfs, der damals Hirte im hinteren Rainthal war.

 

Dr. Dieterich zu Besuch beim Reinthal Bauern um 1830

1834 verfaßt der "Doktor der Medicin, Chirurgie und Geburtshilfe, praktischer Arzt zu München und einiger gelehrter Gesellschaften Mitgliede", Dr. Georg Ludwig Dieterich (Ditterich) ein Buch zum "Kanizen Brunnen", bzw. dem Kainzenbad. Ein höchst vergnüglich zu lesendes Werk, das uns viel über die damaligen Badekuren erzählt.

Sein Buch "Der Kanizer Brunnen in Partenkirchen nebst seiner Umgebung" unterteilt er in einen Topographischen Teil, einen naturgeschichtlichen Teil und einen medizinischen Teil.

Der tüchtige Arzt schlägt natürlich auch Ausflüge in die Umgebung vor und beschreibt die Ankunft und den Aufenthalt beim Reintalbauern.
"Der Weg zieht sich jetzt abwärts, und nach einer guten Viertelstunde gelangt man auf einen grünen Thalgrund, das vordere Reinthal genannt. Ein ländliches, einfaches Gebäude auf einem etwas erhöhten Punkte dieses Grundes, welches man auch schon von obengenannten Standorte aus gesehen hat, bildet einen schönen Kontrast mit dem frischen Wiesenteppich. Die einzelnen das Haus beschattenden Bäume tragen nicht wenig zur Vollendung einer idyllischen Gruppe bei.
Schon vor der Ankunft am Hofe meldet der getreue Haushund die seltenen Gäste, und der Bauer, ein starker, breitschultriger Mann, mit gewaltigem Schnurr- und Backenbarte kommt ihnen mit ehrlicher, offener Miene entgegen und heißt sie willkommen. Die Gesellschaft lagert sich vor dem Hofe im Schatten der Bäume, und wird von dem freundlichen Wirthe, der Reinthaler Bauer genannt, mit Milch, Butter, Honig und Brod bewirthet. Dieser ist ein Musterbild des kräftigen, lebensfrohen und zufriedenen Menschenschlages der südbayerischen Alpen, ein Bergsteiger, welcher seines Gleichen sucht, kennt alle Wege und Stege, Klippen und Schlünde des Wetterstein- und Zugspitzgebirges."

1835 erschienen in den Bayerischen Annalen,
Abt. Vaterlandskunde, Jg. 3, Nr. 4, 5, und 7
Weitere Notizen über den Zugspitz und
dessen Besteigung im Herbste 1834

Franz Oberst liefert dort in einer brieflichen Mitteilung vom 26. September 1834 eine Beschreibung der Bewohner des Reinthalerhofes:


„…und gelangten auf diese Weise… zu dem ebenso gastfreundlichen, als einsamen Reinthalerhofe. Hier lebt, wie Sie wissen, in stiller Zurückgezogenheit eine biedere Bauern-Familie, bey welcher die Besucher des Reinthales Labung und auch ländliches Nachtquartier finden. Von Viehzucht und dem Ertrage der Waldungen sich nährend, nur an Festtagen bey dem Besuche der Kirchen zu Partenkirchen oder Garmisch mit der Aussenwelt in Berührung kommend, leben diese Leutchen hier still und zufrieden, mühsam arbeitend und dadurch Befriedigung ihrer wenigen Wünsche und Bedürfnisse findend.“


Im nächsten Teil wird unter anderem die Umgebung und Aussicht um den Reinthalerhof beschrieben.

„Die Lage dieses niedlich gebauten Bauernhofes biethet keine ferne Ausicht; wohl aber etwas Erhebendes, welches nur von dem gefühlt werden kann, der längere Zeit im Hochgebirge zubrachte…..“
„Nachdem wir den Hofbewohnern, den letzten menschlichen Wesen, auf die man in dem noch 31/2 Stunden lang sich hinziehenden Reinthale trifft, für die uns gastfreundlich gewordene Labung gedankt, setzen wir unsere Wanderung auf einem rauhen, aber leicht kenntlichen Pfade fort.“

 

Im Deutschen Hausbuch 1846, herausgegeben von Guido Görres, findet sich ein Bericht von August Einsele über eine Zugspitzbesteigung 1835 sowie ein Nachtrag zu einer Besteigung im Jahr 1843.
Ein überaus interessanter Bericht!

Bei der Besteigung 1843 wird der Schafhirt Peter Pfeif(f)er erwähnt, der schon im August 1843 einen Zugang zur Zugspitze erforscht haben soll. Die Besteigung startet dann am 9. September, Mittags 12.00 Uhr. Teilnehmer sind als Führer Peter Pfeifer, Forstmeister von Schulze, Revierförster Bomhard, Forstamtsaktuar Murr, Forstwart Neuer und Forstpraktikant Baron von Krailshaim. Ergänzt um zwei Träger, die Herren Grasecker und Rieger.
Am Reintalerhof wird die Gruppe um den Revierförster Sutor, den Forstwart Satori und dem Reintalbauern Georg Pfeifer erweitert.

Am nächsten Tag wurde dann glücklich der Gipfel der Zugspitze erreicht.

Im Jahr 1892 erscheint im Alpenfreund ein Artikel von Max Schulze mit einer Einleitung zu einer Beschreibung der Zugspitzbesteigung seines Vaters im Jahre 1843.
Dieser Albert Schutze war ein Teilnehmer, der im o. a. Deutschen Hausbuch 1846 beschriebenen Zugspitzbesteigung.

Dieser Bericht ist mit Abbildungen der Situation an der Zugspitze um 1891 illustriert.

Albert Schulze beschreibt, wie die Expedition mit dem Führer Peter Pfeiffer vom Reinthaler Hof aus aufbricht und den westlichen Zugspitzgipfel erreicht.

Nach 1840 geht der Hof an den Bruder von Johann Georg Pfeiffer, Peter Pfeiffer über, der 1849 die Maria Helena Kleisl heiratet.
Die ersten drei Kinder des Paares werden im Reintalerhof geboren, sterben aber alle schon nach wenigen Wochen. Möglicherweise war das ein Grund dafür, dass Peter Pfeiffer 1853 mit seinem Schwager Johann Nepomuk Kleisl die Anwesen tauscht. Er zieht mit seiner Frau in deren Elternhaus nach Schlattan.
Von anderer Stelle wird jedoch berichtet, dass der Grund für den Tausch, das Interesse des Johann Nepomuk Kleisl an den umfangreichen Baumbeständen um den Reintalerhof war.
Weiter taucht die Vermutung auf, dass in diesen Baumbeständen uralte Ligneoturen zu finden gewesen seien. Belegt ist das jedoch nicht.
Ab 1853 gehört der Reintalerhof dann Johann Nepomuk Kleisl und seiner Familie. Nachdem seine Kinder Anton und Maria Magdalena geheiratet hatten, blieben sie ebenfalls mit ihren Familien im Reintal.

1845 erscheint der zweite Teil des fünfbändigen Werks:
Die Deutschen Alpen
von Adolph Schaubach.

Auf den Seiten 251 bis 252 erwähnt er mehrmals den Reinthalhof als Ausgangpunkt für Wanderungen ins Reintal, nach Ehrwald, zum Teufelsgsass und über das Kreuzjoch nach Partenkirchen.

Der Pfarrer und Meteorologe Christoph Ott organisiert wohl um 1853 eine "Subcription" um endlich ein Kreuz auf den höchsten deutschen Gipfel zu stellen.
Im Sommer ist es dann soweit: Das fertige Kreuz wird am 1. August 1853 auf den Hohenpeissenberg transportiert, der Kirche des Pfarrers Ott, und am 4. August den Spendern und der Öffentlichkeit präsentiert.

Vom 11. bis 13. August 1853 unternimmt eine Gruppe unter der Leitung des königlichen Forstwarts von Graseck Karl Kiendl eine "Expedition" auf die Zugspitze, um das "vergoldete Eisen-Zylinder-Kreuz" auf der Zugspitze zu errichten. Ein offizieller Teilnehmer war Peter Pfeiffer vom Reintalerhof.

Auf dem Reintalerhof zur Rast angekommen, verspricht die Bäuerin für das Vorhaben der Herrschaften günstiges Wetter und bringt zur Brotzeit einen "tüchtigen Butterwecken und Käse herbei".

Die Expedition gelingt und seither ist auf Deutschlands höchsten Berg das weltbekannte Kreuz zu bewundern.

Beim Abstieg von der Zugspitze kommt es zu einer gefährlichen Situation, weil der Schnee tagsüber weich geworden war und ein Abrutschen der Schneemassen samt der Expeditionsteilnehmer zu befürchten war. Der Reintalbauer Peter Pfeiffer untersucht mit drei anderen den Schnee und gibt dann Entwarnung und stapft selbst voran und tritt Stufen in den Schnee für die folgenden Zugspitzbegeher.

Der Rheintalbauer um 1860

Der Reinthal Bauer um 1860 auf einer Lithographie von A. Kappis.

 

GARMISCH-PARTENKIRCHEN. - Reintal. "Der Rheinthaler Bauer". Schöne Ansicht von Alm und Bergmassiv.

Lithographie mit Tonplatte von A. Kappis nach G. von Bezold bei Mey & Widmayer, um 1860

Aus der seltenen Folge "Bayerisches Hochland".

Das Blatt ist beim Buch- und Kunstantiquariat Peter Bierl erhältlich.

1863 erscheint in der Fleischmanns Buchhandlung in München das Werk von Johann Nepomuk Ingerle, Bayerns Hochland zwischen Lech und Isar. Darin beschreibt er die Wanderung zum Reintal Bauern.

Er schreibt: "Um mühelos einen tiefen, vollständigen Blick in die Alpenwelt, in's eigentliche Hochgebirg mit all' seinen Schrecknissen werfen zu können, pilgere man in das vordere Rainthal zum Rainthaler Bauern." Und weiter: " Beim Raintaler ist gewöhnlich das Nachtlager der Bergwanderer. Mit dem ersten Morgengrau blickt man erwartungsvoll hinaus, ob der Himmel heiter geblieben ..."

Beschreibung des Reintalbauerns bei J. N. Ingerle
Beschreibung von Pfarrer Schöberl

1870 erscheint das Buch "Das Oberammergauer Passionsspiel mit den Passionsbildern von A. Dürer" von Franz Schöberl im Verlag der Krüll'schen Buchhandlung Eichstätt & München.

Pfarrer Franz Schöberl beschreibt darin auf den Seiten 81 bis 83 die Wege rund um den Rainthalbauern.

 

Hermann von Barth erwähnt in seinem, 1874 erschienen Buch "Aus den Nördlichen Kalkalpen" mehrmals den Reintaler Hof, den er, der Zeit entsprechend, als Rainthaler Hof bezeichnet.

Im Kapitel "XXV. Der Waxenstein: aus dem Höllenthale an den Eibsee" schreibt er:
"Ein nebeldunstiger Morgen blickte am 9. August 1871 zu den Fenstern des Rainthaler Hofes (2888' 935 m. Sendtner) herein, in welchem Jagdgehilfe Peter von Partenkirchen und ich die Nacht zugebracht hatten, ersterer, um den folgenden Tag seinen Berufsgeschäften nachzugehen, ich in Absichten auf den Hoch-Blassen, nicht zum ersten- noch auch zum letztenmale, dass diese eigensinnige Doppelkuppe meinen Wünschen unfügsam sich zeigte."

Im Kapitel "Peter Klaisl vom Rainthaler Hof" berichtet H. v. Barth
"Am 23. August [1871] sprach ich nach längerer Abwesenheit wieder im Rainthaler Hofe zu und verweilte bei zweifelhaftem Wetter auch den folgenden Tag noch dort. Erst kürzlich war ein Sohn des Rainthaler Bauern – Peter Klaisl ist sein Name, – nach Hause zurückgekehrt; als Landwehrmann war er im Felde gegen Frankreich gestanden und vor wenigen Wochen in die Einsamkeit seiner Berge wieder entlassen worden. Frisches Aussehen, robuster Körperbau, heller, intelligenter Blick und ein offenes, gewinnendes Wesen charakterisirt in ihm den Gebirgssohn, wie man ihn malt, aber selten findet. Auch ihn, der von Jugend im Wetterstein-Gebirge umhergestreift, consultirte ich über den Hoch-Blassen; er währte einige Zeit, bis wir uns verstanden, und über das Objekt meiner Nachfrage einig waren; der Name Blassen läuft hier als Collektivbezeichnung für die Hochgebirgsregion oberhalb des Hinteren Rainthals und jener Gipfel, den ich im Sinne hatte, und dem auch von Rechts wegen der Name Hoch-Blassen zukommt, war meinem Gewährsmanne als Vollkarspitz bekannt."

Im Kapitel "Der Hoch-Blassen"schreibt er:
"Und siehe, dort, hart an der Südwestkante der Alpspitze, leuchtet aus dem Walddüster ein sonniger Wiesplatz, winkt, von Obstbäumen beschattet, ein freundliches Haus. Der Rainthaler Hof, mit den ersten Minuten unserer heutigen Wanderung unsern Blicken entschwunden, erscheint uns wieder, auf der Höhe unseres Zieles. Die schartige, schwarze Mauer, die, vom Rainthaler Hofe gesehen, an die Alpspitze sich drängt, hinter ihrer scheinbar weit gewaltigeren Masse verschwindet, ist nichts Anderes als der Haupt-Gipfel des Hoch-Blassen."

Und weiter schreibt er im Abschnitt "Ueber die Bernadin-Alpe zur Scharte des Gassenthales"
"So verbrachte ich denn eine zweite Nacht im Rainthaler Hofe; aber frühe des andern Morgens wurde aufgestanden, die Bäuerin bereitete uns noch einen kräftigen Morgenimbiss und gab uns ihre Segenswünsche mit auf den Weg, nicht ohne die Ermahnung: "Ja nöt z'viel wagen!" – von deren Nichtbefolgung sie selbst wohl innerlich überzeugt war; denn wie ich nachträglich von mehrfacher Seite erfuhr, gilt ihr Peter für einen der verwegensten Steiger im Wetterstein-Gebirge, und auch von mir hatte man im Rainthale bereits einiges gehört. – Es war 4 Uhr Morgens; tiefes Dunkel herrschte noch im Walde, durch welchen wir dem Bodenlahnthale zuschritten; über den Höhen des Wettersteinwaldes erst röthete sich der Himmel; es war ein klarer, wolkenloser Tag."

Im Kapitel "Mondnacht auf dem Pass Fern (Fernpaß)" schreibt er:
" Am 6. August 1873 kehrte ich über die Pestkapelle aus dem Wetterstein-Gebirge zurück nach Lermoos; fünf Tage hatte ich im Rainthaler Hofe*) mich aufgehalten, und von dort aus die Aufnahme der Skizzen im Wetterstein-Gebirge bethäthigt, von welchen ein Theil den fünften Abschnitt dieses Buches illustrirt.
Und in einer Fußnote dazu merkt er an:
"*) Dem Touristen, welcher Bergpartieen im Wetterstein-Gebirge zu machen gedenkt und Partenkirchen mit seiner widerlichen Hôtelwirtschaft (die unbegreiflicherweise vielgerühmte "Post" hier in erster Linie zu nennen) gerne vermeidet, kann der Rainthaler Hof als Standquartier nicht genug empfohlen werden. Materiell entbehrt er, sofern seine Ansprüche nicht über einfache Hausmannstkost gehen, dort nichts, da für einen länger verweilenden Gast die Bäuerin gerne Fleisch u. dgl. von Partenkirchen holen lässt."

Auf den verschiedenen Ansichtskarten aus dieser Zeit wird der Begriff des Reintaler Hofs und des Reintalbauer, oder auch Rainthaler Hof, bzw. Rainthalbauer verwendet. Die folgenden Abbildungen zeigen den Reintal Bauern, also den Bauernhof des Reintalbauern, am Ende des 19. Jahrhundert.

 

Der Hof des Reintal-Bauern in einer historischen Landkarte

Der Reintaler Hof um 1870

Der Reintaler Hof um 1870

 

Vermutlich die gleiche Aufnahme wie das Bild oben, aber mit etwas größerem Bildausschnitt.

"Taghell lag die Vollmondnacht über dem Felsengrund.
Im knisternden Schnee stieg ich ein Stück hangaufwärts, das feierliche Bild zu überschauen.
Den Hof zu Füßen, sein Dach unter der Schneelast vergraben.
Das verträumte Kapellchen, über das die Äste der frostglitzernden alten Bäume ein Netzwerk von Schatten warfen.
Die Wände gegenüber schreckhaft nah im bleichen Mondlicht ...
"

So schrieb der Schweizer Schriftsteller Walther Siegfried schwärmerisch in seinen Lebenserinnerungen "Aus dem Bilderbuch eines Lebens - Band 2" über die Sylvesternacht 1887/88, die er mit den zwei Malern Ernst Kreidolf und Wilhelm Balmer auf dem alten Reintaler Bauernhof verbrachte.

Auf ingesamt 15 Seiten beschreibt er seine Zuneigung und Faszination zur Magd Veva, die beim Reintalbauern in Dienst ist. Insgesamt ist ein wohl ein Techtel-Mechtel mit verschiedenen Knechten und einem, dunklen Bösewicht und Wilderer, der der armen Veva in Partenkirchen auflauert. Und dann ist die Veva eines Tages verschwunden ...
Eine sehr blumige Geschichte mit interessanten Einblicken in das Leben auf dem Reintalbauernhof um 1888.

Hier die Auszüge aus dem Buch.

Im Hergottswinkel in der Stube im Reintaler Hof.

Im Hergottswinkel des Reintaler Hofs.
Von links: Ernst Kreidolf, Zenzi Hohenleitner, Walther Siegfried.
Gezeichnet an Silvester 1887 von Wilhelm Balmer.

Rainthalerhof Jahreswechsel 1887/1888 - Balmer

Von Wilhelm Balmer finden sich in der Burgerbilbliothek in Bern zwei weitere Zeichnungen von Silvester 1887.
Eine Ansicht vom Rainthalbauern
und links ein tiefverschneiter Stadel.

Rainthalerhof - Jahreswechsel 1887/1888 - Balmer

Links der Ausschnitt aus einem Sammelblatt mit dem Titel

Bilder von einer Besteigung der Zugspitze in Bayern
Nach Skizzen von M. Weinholdt

Veröffentlich ca. 1891

Das ganze Blatt wird mit Klick auf den Ausschnitt sichtbar.

Der Reintalerhof, bzw. der Rheintalbauer um 1890.

Der Reintaler Hof um ca. 1890.

Der Raintalbauer in Farbe

Die gleiche Karte wie links, diesmal koloriert.

 

Der Raintalbauer in Farbe

Über 100 Jahre später bekomme ich diese Vignette. Aus einer "Serie Schweizer Alpen".
Offenbar die kolorierte Postkarte von oben als Werbevignette produziert.
Aufgemacht wie eine Briefmarke. Format 67 x 45 mm. Interessant.

Ein Druck von 1901 mit einer Aufnahme des Rheinthaler Bauern
von Photoclob Co. Zürich, Nr. 3661

Der Reintal-Bauer auf einer Postkarte, wohl um 1900.
Im Hintergrund ist schon das Hospiz zu sehen.

Der Rainthalerbauer um 1895

Bei dieser Karte gibt es eine neue Variante in der Schreibweise:
Rainthalerbauer bei Partenkirchen

Der Reintaler Hof, der Rheintalbauer, um ca. 1900

Hier eine etwas andere Ansicht des Reintalbauern gegen die Alpspitze.

Der Raintalbauer, ein weitere Ansicht

Der Reintalbauernhof mit der Alpspitze.

Der Reintalbauer auf einer Ansichtskarte, die 1924 gelaufen ist.

Der Reintalbauer auf einer Ansichtskarte, die 1924 gelaufen ist.

Und die Geschichte des Reintaler Bauernhofs geht weiter ...

Bei Martin Schöll lesen wir:
"1880 fuhr der Berliner Hofprediger Adolf Stoecker mit seiner Gattin zu den Passionsspielen nach Oberammergau. Stoecker war ein begeisterter Bergsteiger und bei einem Abstecher nach Partenkirchen, das damals von Murnau aus nur mit dem Stellwagen zu erreichen war, stieg er mit seiner Frau und dem preußischen Kultusminister Bosse über den Königsweg zum Schachen.
Von dort oben sah er tief im Reintal einen einsamen Bauernhof liegen; eine kleine Insel im weiten rauschenden Meer der Bergwälder. Als der Hofprediger hörte, dass dieses einsame Haus, das damals der Familie Kleisl gehörte, gerade ausgeboten war, entschloss er sich rasch, den Hof zu kaufen.
Lange Zeit wurde der Hof von Verwaltern oder Pächtern versorgt, denn das Ehepaar Stoecker konnte immer nur einige Wochen im Sommer dort zubringen. Als Adolf Stoecker den Hof erwarb, hatten nur wenige Wiesen dazugehört. Allmählich aber wurden immer mehr Flächen dazu gekauft, bis im Jahre 1911 der Reintaler Hof mit 120 Morgen der größte im ganzen Tal war. Stoecker soll zur Versorgung des Hofes die erste Eselin aus Tirol eingeführt haben. Das machte mit den Mulis zur Hüttenversorgung dann Schule.

Bereits im Jahre 1897 war 15 m höher und nördlich des Bauernhofs das Hospiz gebaut und im Jahre 1906 durch einen Anbau mit einem großen Eßsaal erweitert worden. Es hatte die Haus-Nr. Reintal 2. Es sollte zunächst als Pension für junge Mädchen dienen: da sich aber auch viele ältere Freunde aus der Stadt anmeldeten, wurde ein allgemeines „Christliches Hospiz“ daraus, das von Mai bis Ende September geöffnet war.
In der ersten Zeit hielt dort der Hofprediger selbst die täglichen Morgen- und Abendandachten, später wurden befreundete Geistliche dazu herangezogen, denn Stoecker konnte immer nur kurze Wochen im Reintal sein, während seine Frau den ganzen Sommer oben blieb.
Viele bekannte Namen, unter ihnen der von Vater Bodelschwingh, Cosima Wagner, Fürst von Schaumburg-Lippe, waren damals im Gästebuch zu lesen."

Um 1895 war Fräulein Rosenkranz die Hausmutter des Reintal Hospiz.   

 

Eine Rarität für eine Postkarte - Ein äußerst umfangreicher Text:

"18. Juli 99
M. lb. M.,
Hab Dank für Deinen lieben Gruß.. Freud mich, dass es Euch gut geht im Schwarzwald. Es ist schön hier in jeder Beziehung. Jeder möchte länger bleiben können als er kann und darf, da Anfragen so viel, dass nicht mehr berücksichtigt werden können.
So muss auch ich im August fort, mein Zimmer wurde anders besetzt. Werde wohl nicht weit von hier noch eben höher, die erste Station in Tirol Seefeld aufsuchen. Hier mitten im Hochgebirge von schroffen Felsen eingeschlossen, dort ein weites Hochplateau. Aber leid tut es mir.
Habe an Gewicht noch nichts verloren, Stärkung, Kräftigung kann ja ein solcher Aufenthalt nicht sein. Seit Lt. Hier viel geistiges Geflachse. Anregung besonders an einigen Tagen noch dies ...
Eine Holländerin hier aus Passel, die sehr redegewandt; wir anderen Gäste oft stumm, still zuhören.
Bei Sonnenschein fliegt das ganze Hospiz aus. Die Gesunden auf die Berge. Zuweilen als Führer voran ...
Die Alten, schwachen mit Buch "Arbeit in dem Wald" voran. Lt. Wohnen im ... und die Mahlzeiten oben, abends stets mit Gästen vereint.

Seid herzinnigst gegrüßt
Vom Haus "leidlos"
M. B

Grüße vom Rainthal-Hospiz von 1899

Eine private Aufnahme:
Elisabeth Mumm, Adolf und Anna Stoecker vor dem Reintalbauern. Um 1900.

1906 war Adolf Stoecker zum letzten Mal am Reintaler Hof, auf seinem Bauernhof.   

Ein Bericht zum Reintaler Hof und Hospiz erscheint Jahre später, nachdem Adolf Stoecker den Bauernhof erworben und das Hospiz hat erbauen lassen.

Im Christlichen Volks-Kalender 1918 der Diakonissen-Anstalt zu Kaiserswerth wird das Leben und Wirken von Adolf Stoecker auf 48 Seiten beschrieben.

Eine Aufnahme des Reintalerhofs und des Hospiz sowie ein Bild Adolf Stoeckers mit Familie werden abgedruckt.
Im Kapitel VI - Daheim wird u. a. auch eine Beschreibung zum Reintalerhof gegeben:

"Besondere Zeiten der Ruhe und der Erquickung fand der vielgeplagte Mann in der herrlichen Gottesnatur der Hochalpen, worin er sich unweit Partenkirchen ein Bauerngut erworben hatte. Dahin pilgerten jahraus jahrein viele liebe Freunde, so daß bald die wenigen Gaststuben des Bauernhofes nicht mehr ausreichten, und Stoecker ein stattliches Hospiz erbauen mußte, das fortan ungezählten wegemüden Pilgern Erquickung und neue Kraft für Leib und Seele schenkte. Dort waltete Stoecker als ein rechter Hausvater und Hauspriester in der Morgen- und Abendandacht. Tagsüber aber ward er nicht müde, seine lieben Gäste in der prachtvollen Umgegend herumzuführen, angetan mit Lodenrock, Strohhut und benagelten Bergeschuhen. Daneben fand er noch die Zeit, die zerstreuten Protestanten in Partenkirchen und Garmisch zu sammeln, ihnen Gottesdienst zu halten und eine schöne Kapelle zu erbauen."

Das Hospiz um 1900, noch ohne Anbau.

Auf dieser Karte ist die Ostseite des Hospizes zu sehen.
Ein kleiner Anbau wurde wohl schon vor dem großen Anbau von 1906 errichtet. Weiter unten eine gelaufene Postkarte mit diesem Motiv.

Urlaubsschicksale schon um 1900. Der eine will/muss in die Berge, der andere nach Norden an die See!

Dem kleinen Herrn Kurt Richter
zu Adr. Herrn Hauptmann Richter
z. Zt. Ostseebad Ahrendsee

Mein lieber Kurt!
Während du am Strande der Ostsee spielst, klettere ich in den Alpen umher. Ich stehe zwar ein wenig höher als Du (blos 3000 Fuß) Dessen ungeachtet drängt es mich, dich und deine Eltern vom bayerischen Hochlande aus bestens zu Grüßen.

Nochmals eine Postkarte, jetzt mit einem größeren Abstand zum Hospiz

Hier eine Postkarte mit der Ansicht der Westseite.

Der Reintalerhof, der Reintalbauer als Gemädle

Im März 2011 schreibt mir Helmut Sarnow:

"Seit meiner Kindheit habe ich ein großes Ölbild vom Reintalerhof inmitten der Alpenlandschaft vor Augen, das mich immer fasziniert hat.
Das Bild hat meine Großmutter, eine Stettinerin, nach einer Postkarte unter ihrer Anleitung von einem unbekannten Stettiner Maler fertigen lassen. Es hat dann wohlgehütet alle Kriegswirren überstanden.
Meine Großmutter war eine gelernte Hauswirtschafterin und hervorragende Köchin.
Aufgrund ihrer Erfahrung bei Pommerscher Gutsherrschaft war sie in der Kaiserzeit eine Zeit lang in Diensten des Hofpredigers Kaiser Wilhelms II., Pastor Stoecker. Dieser weilte wiederum mehrfach zur Erholung im Reintalerhof bei Garmisch.
Nach meiner Erinnerung war meine Großmutter, Frau Anna Drath geb. Dahlke, 1-2 mal dorthin mitgefahren.
Ihre Begeisterung von der Unterkunft und vor allem der Umgebung des Reintaler Hofes hat sie veranlaßt, sich das Ölgemälde malen zulassen."

Die dem Gemälde zugrundeliegende Postkarte kann wohl diese handcolorierte Karte etwas weiter oben gewesen sein.

 

1901 erscheint Meyers Reisebücher, Deutsche Alpen, 1. Teil.
Auf den Seiten 62 und 63 werden Ausflüge von Partenkirchen beschrieben, so auch zum Reinthaler Hof.
Man konnte zu dieser Zeit mit einem kleinen Bergwagen für 10 M. reisen, oder einen Bergesel für 8 M. mieten. Deutlich vornehmer mag wohl der Tragsessel gewesen sein, der jedoch für jeden Träger 4 M. kostete.

Das Reintalhospiz im August 1902

Am 27. 08. 1902 wird diese Karte an Frl. Käthi Bader in der Bahnhofstr. 43 in Garmisch geschickt.

(Objektnummer 2216 - Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Der Reintalbauer um 1902 mit Blick auf das Hospiz.

Der Reintalbauer um 1902 mit Blick auf das Hospiz.
Auf der Postkarte taucht jetzt zum ersten Mal der Stempel "Hospiz Rheintal" auf.

 

Ein Karte, die 1905 an Frieda Seeck in Lübeck geschickt wurde. Im Vordergrund sind zwei Muli-Führer mit vier Mulis und Proviant auf dem Weg zur Zugspitze zu sehen.
Im Hintergrund ist das Rainthal Hospiz zu erkennen.

Blick ins hintere Rainthal vom Schachen

Eine Karte an Frl. Martha Steinbach in der Chemnitzer St. 33 in Meerane.
Ein Blick vom Schachen in das hintere Rainthal.
Gekauft wurde die Karte wohl auf der Knorrhütte.

 

Eine Anzeige des christilichen Hospiz von 1905

Im Reiseführer von Leonhard Wenzel (Hrsg.) "Partenkirchen, Garmisch, Kainzenbad und Umgebung" erscheint 1905 diese Anzeige für das Hospiz Rainthal von A. Stoecker.
Ein interessantes Büchlein mit vielen Anzeigen und wertvollen Hinweisen zu den Bergführer- und Lohnkutscher-Tarifen.

Blick auf das christliche Hospiz um 1905.

(Objektnummer 2216 - Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Diese Karte geht 1905 nach Berlin. Die französisch schreibende Absenderin schreibt: "Liebes Fräulein! Ich bin gestern mit der Bahn angekommen. Meinen Mann habe ich in Berlin zurückgelassen. Morgen werde ich das Hospitz wieder verlassen und nach München fahren. Liebste und herzlichste Grüße."

(Objektnummer 2216 - Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Im "Deutschen Volksblatt von 1905 wird der Reintalerhof bei Partenkirchen" abgebildet, "das Besitztum des Hofpredigers Stöcker".
Eine seltene Aufnahme des Reintal Bauernhofs von Nordwest.

Englische Postkarte zum Raintalhospiz

Hier eine in englischer Sprache geschriebene Postkarte:

"This is Mr. Stoecker's hospice
I was a little afraid to bring
him the greetings of Mrs Biarowsky, but did
yet, surely this was the finest reunion with Miss G.
I climbed up high and I was happy. "

(Objektnummer 2216 - Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Das Reintal Hospiz

Hospiz Reintal mit Wettersteingebirge

(Objektnummer 2216 - Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Im Januar 2021 erreicht mich ein Brief mit dem Prospekt des Hospiz Reinthal. Der Prospekt stammt vermutlich aus dem Jahre 1908/1909, da darin die in 1910 zu eröffnende Haltestelle Kainzenbad der Mittenwaldbahn erwähnt wird. Eingestempelt auf der Vorderseite ist der Vermerk: Besitzerin: E. Mumm. Gedruckt wurde der Prospekt von der Vaterländischen Verlags- u. Kunstanstalt Berlin. Ein Unternehmen, das zum Einflussbereich von Adolf Stoecker gehörte.

Die Verpflegung kostete 4 Mark pro Tag. Enthalten waren darin ein Frühstück von 1/2 7 bis 9 Uhr, bestehend aus Milch, Kakao, Kaffee, Tee nach Wahl mit Brot, Butter, Honig und Marmelade. Mittags um 1/2 2 Uhr gab es Fleischsuppe, Gemüse mit Beilage oder Fisch, Braten mit Salat oder Kompott und süße Speise. Am Nachmittag wird, meist im Freien, der Kaffee eingenommen. Das Abendessen fand um 1/2 8 Uhr statt und bestand aus warmer und kalter Fleischplatte sowie Butter und Käse und Tee.
Die Zimmerpreise lagen zwischen 1,50 und 4,50 Mark. Und Luxus pur: Zweimal täglich findet die "Briefbestellung" statt und eine Telefonverbindung besteht mit Bayern, Württemberg und Norddeutschland.

Sehr ausführlich wird in dem Prospekt das Hospiz beschrieben und beworben. Den gesamten Prospekt gibt es hier.
Die vier Seiten lassen sich auch auf den folgenden Bilder vergrößern.

1909 erscheint in der

Zeitschrift für Schwachstromtechnik, Zentralblatt für Telegraphie, Telephonie, elektr. Signalwessen, elektr. Apparaten- und Messkunde und verwandte Gebiete, III. Jahrgang, Heft 24, auf Seite 665 ein Betrag zu den
"Telephonstationen auf den bayerischen Bergen".

Darin wird "der Betrieb des für Hilfeleistungen wertvollen Telephons im Reintalerhof gesichert".

1906 wurde unmittelbar westlich hinter dem Hauptbau ein zweites Gebäude errichtet, in dem ein großer Speisesaal untergebracht war.
Die folgenden sechs Bilder wurden von August Beckert um 1924 fotografiert und sind im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek.

Das Hospiz nun mit dem neuen Speisesaal-Anbau um 1910.

Hospiz mit Anbau und der Bauernhof auf einer Aufnahme.

Das Hospiz im Winter.

Gastzimmer

Der Speisesaal

Das Wohn- und Musikzimmer

Im 1915 erschienen Buch: "Von Klarheit zu Klarheit - Gräfin Marie Esther von Waldersee", von Elisabeth Waldersee, wird der Hofprediger Stoecker und das Reintal-Hospiz ab der Seite 341 erwähnt:

Das wichtigste Ereignis des Jahres 1908 war wohl ihr Besuch im Reintalerhof bei dem Hofprediger Stoecker. Davon erzählt Pastor Braun, wie sich dieser bei Partenkirchen im Jahr 19 1880 einen Bauernhof gekauft habe, wo er mit seiner Frau die stillen Sommermonate zuzubringen pflegte. 

Oberhalb dieses Bauernhauses hat er später das Rheintalhospiz erbaut, das mit seinen Fenstern und Veranden hinein und hinausschaut in die grandiose Kette der Bergriesen, von der Dreitorspitze bis zur Alpspitze.
Unter den Gästen, die hier zusammenkamen, erschien im Jahre 1908 auch die Gräfin Waldersee, um alte Erinnerungen an viel Arbeit und viel wie in den Berliner Tagen mit dem altgewordenen Freund und seiner Frau auszutauschen.

An anderer Stelle schreibt derselbe über diesen Besuch:
„Ihre persönliche Verehrung für Hofprediger Stecker war aufrichtig und so tief gegründet, dass sie sich, auch als die Wogen der Verfolgung über ihm zusammenbrachen, nicht im Geringsten beirren ließ. Eine ganz außerordentliche Feierabendfreude bedeutete es für ihn, als die ehrwürdige Frau mit ihrer Schwester, Freifrau von Waechter, nach dem Rheintalhospiz kam, wo wir unvergessliche Woche miteinander verlebten, nicht ahnend, dass es die letzten hohen, frohen Tage im Leben unseres Reinthaler Bauern waren!“


1908 war das Ehepaar Stoecker zum letzten Mal im Reintal. Adolf Stoecker, eine große, aber als Wegbereiter des Antisemitismus auch umstrittene Persönlichkeit, starb am 2. Februar 1909 in Gries bei Bozen.
Seine Frau folgte ihm 1910, an seinem Geburtstag, dem 11. Dezember, nach.

D. A. Stoecker's vor ihrem Reintaler Bauernhause mit Frl. Elis. Kähler, der Braut des Liz. Mumm, und mit P. M. Braun v. d. Jesuskirche.

Am 11. März 1909 wurde diese Postkarte in Berlin verschickt, also kurze Zeit nach dem Tod Stoeckers.
Die aufgedruckte Erklärung:"D. A. Stoecker's vor ihrem Reintaler Bauernhause mit Frl. Elis. Kähler, der Braut des Liz. Mumm, und mit P. M. Braun v. d. JEsuskirche."

Die Postkarte wurde an

Herrn
Wilhelm Wittig
nebst Familie
Jessen/Elfter
Jahn,s Ziegelei

Lieber Schwager. Hoffentlich wirst auch Du von diesem Mann in letzter Zeit etwas gelesen haben , er war der Anführer unserer Partei(Christlich Sozial) alles übrige im Brief. Besten Gruß an Mama, Willi und kleine Bertha u.Mutter
von Ernst

Die Urenkelin von Elisabeth Kähler und Reinhard Mumm, Frau Maike Mumm, schreibt mir zu dieser seltenen Aufnahme oben:

„Adolf Stoecker berief jedes Jahr einen Pfarrer zur Seelsorge an den Reintaler Hof, wohl für das Hospiz. Neben dem hier abgebildeten Max Braun
auch Samuel Keller, Paul Le Seur und Reinhard Mumm. Am 30. Oktober 1908 weilten Stoeckers mit Elisabeth Kähler im Kainzenbad und unternahmen gemeinsam mit Reinhard Mumm (und wohl Pastor Max Braun) einen Ausflug zum Reintaler Hof. An diesem 30. Oktober hat sich Reinhard Mumm mit
Elisabeth Kähler verlobt, die er dann am 31. August 1909 heiratete. Elisabeth Kähler war nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei Adolf Stoecker und
dessen Frau Anna geb. Krüger, eine Schwester ihrer Mutter Wilhelmine Krüger, aufgewachsen.

Die o. a. Fotografie könnte bei diesem Verlobungs-Ausflug entstanden sein, verwunderlich ist nur, dass das frisch verlobte Paar nicht zusammen darauf
abgebildet ist. Wenn die Aufnahme nicht zu diesem Zeitpunkt gemacht wurde, so wird sie aber vielleicht im selbem Sommer entstanden sein, da man sicherlich zu Stoeckers Gedenken ein, dem Todeszeitpunkt nahes Bild ausgewählt hat.“


 

1936 erscheint von dem oben erwähnten Paul Le Seur das Buch: "Adolf Stoecker - der Prophet des Dritten Reiches. 

Der Reintalerhof, das Raintal Hospiz um 1909

Diese Karte wurde am 2. September 1909 an den Herrn Pfarrer Margraf in Hüffelsheim verschickt. Der Absender beklagt ein anhaltendes Regenwetter mit großer Kälte. Er will aber dennoch eine Woche aushalten.

Hier eine Postkarte von der Restauration Partnachalm in der Wildenau. Hier kamen die Besucher des Reintalerhofs vorbei, wenn sie den Weg durch die Klamm nahmen - und vielleicht habe sie hier auch eine kleine Stärkung genommen, bevor es richtig ernst mit der Wanderung wurde.

Der Reintal-Bauer, wohl um 1910.

Im Oktober 2020 erzählt mir Frau Kathi Diepold von ihrer Mutter, Frau Bartl, die vom Hannesle Bauer, Vordergraseck, kommt.

1922 - 1923 ist Frau Bartl mit ihrem ein Jahr jüngerem Bruder als Verwalterin auf dem Bauernhof. 35 RM bekommt sie dafür monatlich. Knecht und Dirne je 30 RM.
Der Bauernhof ist zu dieser Zeit im Besitz von Reinhard Mumm.
Frau Bartl und ihr Bruder kündigen die Stelle im Jahr 1923 wegen der schlechten Bezahlung und der widrigen Umstände.

 

Der durch verschiedene Grundstückskäufe auf über 40 ha angewachsene Besitz ging an die Nichte und Pflegetochter des Ehepaars Stoecker, Elisabeth Mumm über, deren Mann, der Reichstagsabgeordnete der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Reinhard Mumm das Hospiz Reintalerhof bald Männern der christlichen Arbeiterbewegung zugänglich machte.

Über die Zeit des Adolf Stoecker auf seinem Reintalerhof gibt es eine ausführliche Beschreibung im Buch: "Adolf Stoecker; von Max Braun; In neuer Bearbeitung durch Martin Braun; Ernst Röttgers Verlag, Berlin;

Das Kapitel ist hier zum Nachlesen:

Eine Karte vom Reintalbauer, verschickt im Januar 1910.
Lonel und Josef schreiben an Wilhelm Ochsner-Prinz in Wiesbaden:

Lieben Alle
gestern haben wir eine schöne Tour zum Raintalerhof gemacht, am Fuß der Zugspitze richtig malerisch Gemsen, prachtvoller Sonnenschein, guter Kaffee, Milch - Butter, sind zu lange geblieben dass wir in der Nacht über den Berg mußten, 3 Stunden bis zu Wohnung.
Vorgestern waren wir beim Gschwandtnerbauer, höchst gelegener Hof von Deutschland, und auch höchste Milchpreise Liter 60 Pfennig.
Schöner Blick aufs Karwendel und Wettersteingebirge.
Morgen Dienstag werden wir traurigen Herzens unsere Bergschuhe nach München wieder bringen, namentlich lieb Lonel kann sich schwer von ihren lieben Bergen trennen, es hat uns beiden gut bekommen mit schönen Grüßen und küssen

Lonel und Josef

Hier eine, vom Alter vergleichbare Karte des Reintaler Bauern im Winter und wie es scheint, unbewohnt.

Die Karte wurde als

Unsere bayerischen Alpen
Die Schitur zur Zugspitze:
Der Reintaler Bauer

angeboten und verkauft. Herausgeber war der Verlag Künstlerischer Alpenkarten, München, Nymphenburgerstr. 70

1910 finden in Oberammergau wieder die berühmten Passionsspiele statt.
Wir können annehmen, dass dieses Ereignis auch zu zusätzlichen Gästen auf dem Reintalerhof geführt hat.
Hier der englischsprachige Führer für die Passionsspiele 1910.


Bruckmann's Illustrated Guides No. 109

Oberammergau
and its Passion Play 1910.


Munich. Routes to Oberammergau. Oberammergau
and its Environs. The Royal
Castles. Garmisch-Partenkirchen etc. etc.

Das Buch kann hier geladen werden.

Rund um den Reintalerhof - Passionsspiele in Oberammergau 1910 - Führer in englisch
Hinweis auf das Reintal-Hospiz im Baedeker von 1911

Im berühmten Baedeker, "The eastern Alps" von 1911, in englischer Sprache, finden wir auf Seite 51 eine Beschreibung des Wegs zum Reintal-Hospiz.

"To the Reintal-Hospiz (3120 '; 2 1/2 hrs.). Path either through the
Partnachklamm and the Reintal, ascending to the right from (1 1/2 hr.) the finger-post in the Wiesele-Graben (see below) to (1/4 hr.) the hospice; or diverging to the right at the opening of the Partnachklamm (1/2 hr. from Partenkirchen) and crossing the Hohe Weg (steep at the beginning only) to the (1 1/4 hr.) Reintal-Hospiz (42 beds, pens. 6-8 M), commanding a fine view.

Der gesamte Baedeker kann hier geladen werden.


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