Reintalerhof

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Strom- und Wasserversorgung Reintalerhof

Letzte Aktualisierung: 29. September 2015

Die Strom- und Wasserversorgung des Reintalerhofs ist Teil der Geschichte des gesamten Hofes
Spannend ist das Thema, weil die hinter der Versorgung stehende Technik bis heute teilweise erhalten und zu besichtigen ist.
Allerdings werden durch verschiedene Straßenerhaltungsmaßnahmen etc. immer mehr dieser Technik beseitigt.

Auf dieser Seite stelle ich die mir bekannten, historischen Informationen verschiedenen aktuellen Aufnahmen gegenüber.

 

Elektrizität

Ab dem Jahr 1922 wird der Reintalerhof durch eine erste Anlage mit Licht- und Kraftstrom versorgt.
Die erste urkundliche Erwähnung der Anlage stammt vom 1. 1. 1922

Das Turbinenhaus wird am 3. 10. 1924 in Betrieb genommen.
Der erzeugte Strom ist sowohl für den Reintalbauern wie den Reintalerhof, bzw. das Hospiz. Die erste Turbine war eine Neumeyer-Turbine von 1924 mit 66 PS.

Der Einlauf von der Bodenlahne ist in 1.005 mtr. Höhe. Die Fallhöhe vom Staubecken am Wieselegraben bis zur Kraftwerk an der Partnach beträgt 77 Meter.

 

Kommen Sie mit auf eine Wanderung von der Bodenlahne bis hinunter zur Partnach.

Ob eine erste Kraftanlage mit dem Wasser aus dem Wieslegraben gespeist wurde, konnte ich bis heute noch nicht in Erfahrung bringen.

In allen von mir eingesehen Unterlagen beginnt die Stromgewinnung durch die Entnahme von Wasser aus der Bodenlahne und der Überleitung dieses Wasser in den Stauweiher im Wieslegraben.

Dazu wurde eine Wasserausleitung aus der Bodenlahne eingerichtet.

So sieht es 2011 an der Bodenlahne aus: Kein Holzziehweg ist mehr erkennbar, wie noch auf der o. a. Karte. von 1956 angegeben ist.

Nach kurzer Suche ist schnell dieser Brückenrest mit dem Wasserrohr, einem angeschweißten Eisenträger und einem Baumstamm daneben gefunden. Der Blick auf dieser Aufnahme ist in Richtung der Laubhütte.

Die Wasserentnahme von vorne

und von der Seite.

Die Wasserentnahme von "unten", links der Sand-Ablass-Schütz

und hier das Handrad, um den Wasserzulauf zum Wieslegraben zu steuern.

Das Wasser floss dann durch das Rohr zum Staubecken am Wieslegraben in der Nähe des Reintalerhofs. Dazu mußte der Weissgraben überquert werden. Bauliche Reste dieser Rohrbrücke konnte ich im Herbst 2011 nicht finden.

In das Staubecken floss also das Wasser aus dem Wieslegraben und sowie der abgezweigte Teil aus der Bodenlahne.

 

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Der Plan des Stauweihers im Wieslegraben.

 

Rechts der Einlauf des von der Bodenlahne abgeleiteten Wassers in den Wieslegraben mit der Staumauer im Hintergrund. Es ist ein U-förmiger, breiter Kanal aus Betonteilen, die aber jetzt, im Herbst 2011 sehr mürbe und zum Teil zerbrochen sind.

Die Staumauer mit einem Holzkasten, in dem wohl eine Steuerung eingebaut war.

Blick vom Graben auf die Staumauer.

 

 

 

Herr Paul Peter Freisl aus Garmisch schreibt mir: "In der Flurkarte mit den Eintragungen zum E-Werk ist mir aufgefallen, daß das Einlaufbauwerk des EW nahe dem Reintaler Hof als 'Tiroler Wehr' bezeichnet wird - dies ist falsch. Bei dem Tiroler Wehr (Überlaufwehr) handelt es sich um das Wehr in der Bodenlaine (s. o.), das Einlaufbauwerk zur Falleitung ins E-Werk ist ein normales Stauwehr."

Nachdem nun das Wasser im Staubecken gesammelt ist, floss es durch eine Rohrleitung zum Krafthaus an der Partnach.
Die Fallhöhe betrug 77 Meter.

An manchen Stellen der neuen Forststraße kann man das Rohr, bzw. Reste davon immer noch sehen.

Nördlich oberhalb des Reintalerhofs steht noch dieser Kasten.

Vermutlich eine Stromverteilung für das damalige Jugendheim?

Der Plan des Krafthauses.

 

 

 

Das E-Werk, das dann 1959 endgültig modernisiert war, hatte folgende Leistungen:

Drehstrom mit 400/231 Volt
Licht: 13,42 kW
Wärme: 68,80 kW
Motoren: 11,07 kW

Insgesamt 93,29 kW

Das Staubecken hatte einen Nutzinhalt von 200 cbm.

Und hier ein Blick in das Haus in den sechziger Jahren. Im Hintergrund der alte Generator, der 1959 im Zuge der Modernisierung der Stromversorgung ausgetauscht wurde.

Grundsätzlich liefen Turbine und Generator Tag und Nacht sehr zuverlässig. Trotzdem wurde die Anlage einmal wöchentlich vom Hausmeister gewartet. Einmal jährlich kam der Elektriker Kemmethmüller aus Garmisch-Partenkirchen und überprüfte die gesamte Anlage.

Mehr Aufmerksamkeit mußte dem Staubecken gewidmet werden. Dieser kleine Stausee, der im Sommer auch als (Kurz-, weil gräuslich kalt) Badesee genutzt wurde, mußte einmal wöchentlich, im Herbst auch noch öfter gereinigt werden, damit die Rechen nicht verstopften.

 

Das Krafthaus im Herbst 2011.
Verschlossen und unberührt.

Hier der alte Auslaufschacht, der noch offen war. Der spätere Auslauf wurde dann über ein Rohr unter dem Fahrweg in die Partnach geleitet.

Im Herbst 2014 ist das E-Werk, das sogenannte Krafthaus schon fast vollständig zugewachsen und überwuchert.

Der Baum liegt nun auch schon Jahre auf dem Dach und verwittert immer mehr.

 

Es gibt noch umfangreiche Informationen zu den wasserrechtlichen Verfahren und Genehmigungen, die zeigen, dass es immer schon schwierig und aufwendig war, in einer solchen abgelegenen Gegend zu wohnen und einen Hotelbetrieb zu unterhalten.
Heute wären die Aufwendungen noch um ein vielfaches höher.

 

Am 6. Oktober 1955 erlässt das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen einen Bescheid, u. a. nach § 5 der Vollzugsverordnung zum Wassergesetz (VVhWG):

Darin werden der Treuhandverwaltung der IG Metall GmbH Erlaubnisse und Genehmigungen erteilt. Diese beziehen sich auf die Wasserentnahme, die Überleitung des Wassers und die Ausnutzung der Wasserkraft.
Von der Treuhand wurden im März, Mai und Dezmeber 1954 sowie im
März 1955 entsprechende Umbaupläne eingereicht.

In dem Dokument findet sich auch eine Beschreibung der Anlage nach 1925.

(Quelle: Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

  

Am 19. September 1956 hat dann das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen. Für die Treuhand nahmen der Architekt Uhl, der Geschäftsführer des Reintalerhofs, Herr Schönbeck teil. Dann der Ingenieur Kilian als Planfertiger, vom WWA Weilheim Herr Heinloth und vom LA Garmisch-Partenkirchen die Herren
Dr. Preisenhammel und Zöller.

Die folgenden drei Punkte wurden erörtert:
1.) Abwasserbeseitigung aufm de Reintalerhof
2.) Wasserversorgung des Reintalerhofs
3.) E-Werk des Reintalerhofs

Es ging um umfangreiche Arbeiten, die zu erledigen waren.

Die Details sind in dem Dokument links zu finden.

(Quelle: Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Wasserversorgung

1956 wurde auch die Wassserversorgung aktualisiert, bzw. den Anforderungen der Zeit angepasst. Details dazu sind ebenfalls in dem o. a. Dokument zu finden. Quellfassungspläne konnte ich jedoch bislang nicht mehr finden.

Dafür hier Fotos der alten Wasserversorgungseinrichtungen

Abwasser

Über die frühe Abwasserversorgung scheint nichts bekannt zu sein.

In den Unterlagen finden sich erst 1956, im Rahmen des Wasserrechtsverfahrens, Angaben und konkrete Anforderungen.

Hier wird zum einen festgestellt, dass die von der Marktgemeinde erteilte "Genehmigung" vom 5. 8. 1952 nur die Genehmigung für die Benutzung des Strassengrundes des Hohen Weges darstellt. Davon völlig unabhängig ist die wasserrechtliche Erlaubnis, für die alleine das Landratsamt zuständig ist.

Weiter werden verschiedene Ausbesserungen an der bestehenden Kläranlage verlangt, u. a. eine Wartungsanweisung für den Kläranlagenwärter.
Das Wasserwirtschaftsamt hat weiter festgestellt, dass die vorhandene Kläranlage nur für 40 Personen ausreicht, sich aus den Zahlen der Fremdenbetten, des Personals und der Tagesgäste aber 80 Abwassereinheiten notwendig wären. Dafür sollte die bestehende Kläranlage auf etwa 16 cbm Nutzraum vergrößert werden.

Eine Versickerung der geklärten Abwässer in den Untergrund ist wegen der Bodenbeschaffenheit unmöglich.

Christine und Dieter Schober schreiben mir zum Abwasserthema im Januar 2015:
"Bezüglich der Kläranlage haben wir in Erinnerung, dass die Wartung durch den jeweiligen Hausmeister erfolgte. Wartung bedeutete jedoch nur, ob die
Anlage noch funktionierte oder bei Geruchsbelästigung (speziell im Sommer) wurde 'umgerührt'. In der Zeit, wo wir auf dem Reintalerhof waren, gab es weder eine Wartungsanweisung noch einen Kläranlagenwärter. Auch wurde in dieser Zeit weder die Anlage erweitert noch umgebaut. Evtl. wurde die Erweiterung vor 1960 durchgeführt. Sie wurde einmal jährlich oder nach Bedarf von einem Unternehmen aus Garmisch-Partenkirchen geleert (abgesaugt), meistens vor dem Wintereinbruch. "

 

 

Hier der Zustand der Kläranlage 2011.

 

 

Links der Schacht und das Entlüftungsrohr, noch ganz gut in Schuss.

 

 

 

 

 

Aber wenn man ein paar Schritte weiter macht, sieht man, dass die Wände der Anlage zu großen Teilen eingebrochen und verstürzt sind.

Allerdings scheint es den Fröschen in den dunklen Gewölben gut zu gefallen. Bei meinen Besuch waren viele anzutreffen.

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